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Moralische Werte

Untreue, und in diesem Zusammenhang speziell sexuelle Untreue, hat einen einheitlich beschädigten Ruf überall in der Welt. Während die Bestrafung für Untreue von Land zu Land unterschiedlich sein mag, und sich über die Jahre gesehen verändert hat, wurde sie immer als schlecht angesehen, ebenso wie Treuebruch in anderen Bereichen des sozialen Zusammenspiels.

Auf einer sozialen Ebene sind Sitten eine Darstellung der Produktionsweise einer Gesellschaft. Auf der persönlichen Ebene sind Sitten eine Darstellung der biologischen Interessen eines Individuums. Was Moral nie ist: das Ergebnis unabhängiger philosophischer Betrachtung.

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Es gibt keine logischen moralischen Werte. So einfach ist das. Alle moralischen Werte sind wahrgenommene Werte. Sie sind höchst willkürlich.

Die moralischen Werte heutiger demokratischer Gesellschaften sind nicht richtiger als die des sklavenhaltenden antiken Roms oder einer kannibalistischen melanesischen Gesellschaft vor 200 Jahren. Sie sind einfach anders.

Werterelativismus (ethischer Relativismus)
http://de.wikipedia.org/wiki/Relativismus#Werterelativismus

Dass die moralischen Werte antiker Kulturen anders waren als die heutigen, hängt stark mit der Tatsache zusammen, dass die Produktionsweisen anders waren. Weil unsere soziale Existenz unser Bewusstsein bestimmt, einschliesslich was wir als moralisch und unmoralisch erachten, wirkt sich das Leben in verschiedenen Gesellschaftsformen (welche auf verschiedenen Produktionsweisen beruhen) in unterschiedlichen moralischen Ansichten aus.

Eine Erläuterung der marxistischen Sicht, wie Moral (und andere Elemente des Überbaus) mit der Gesellschaft und ihren Produktionsweisen zusammenhängen, finden Sie unter folgendem

Historischer Materialismus
http://de.wikipedia.org/wiki/Historischer_Materialismus#Basis_und_.C3.9Cberbau

Dass alle moralischen Werte nur eine persönliche Wahl sind, ist ein Teil Sartres Existentialismus, welcher wiederum selbst eine Form des subjektivierten Materialismus ist. Sartres Art zu sagen, dass das Sein vor dem Bewusstsein kommt, ist, dass Existenz dem Wesen vorausgeht.

"Sartre hob hervor ... persönliche moralische Verantwortung vor struktureller Kausalität, ohne jedoch die Wichtigkeit letzteres zu leugnen."

Andererseits versuchte Sartre eine Synthese von Humanismus (für den Selbstbestimmung ein zentraler Gedanke ist) und Materialismus.

"Obwohl kritisch gegenüber seiner bürgerlichen Art, unterstützt Sartre einen existentiellen Humanismus, dessen Motto seine Bemerkung "Der Mensch ist nur, was er aus sich selbst macht" sein könnte."

Dies unterstützt natürlich die Annahme, dass Moral willkürlich sei, obwohl es eine humanistische Dimension von Verantwortung hinzufügt.

Die moralischen Werte heutiger demokratischer Gesellschaften mögen von einer sanftmütigeren (und humanistischeren, und menschlicheren) Art sein als die des sklavenhaltenden Roms oder der melanesischen Kannibalen.

Aber wir sollten darauf gefasst sein, dass die moralischen Werte, die heute üblicherweise anerkannt sind, als altmodisch empfunden werden von Menschen, die in ein paar hundert Jahren leben, genauso wie die moralischen Werte des sklavenhaltenden Roms oder der melanesischen Kannibalen von den meisten Leuten heutzutage als überholt angesehen werden.

Wenn wir die Komplexität der in modernen Gesellschaften angewendeten Gesetze vergleichen mit der relativen Einfachheit der Gesetze unzivilisierter Gesellschaften, können wir schlussfolgern, dass heutige moralische Werte komplexer sind. Je komplexer moralische Werte jedoch werden,desto schwieriger wird es zu erkennen, dass sie genau so willkür lich sind wie einfache moralische Werte.

Nicht durch Perfektion der Moral und nicht durch Schaffung immer komplexerer ethischer und rechtlicher Systeme werden wir in der Lage sein, das grundlegendste Dilemma zu überwinden: dass es keine philosophische oder biologische Grundlage gibt, warum irgendeine Art oder Form von Ethik grundsätzlich zu bevorzugen wäre gegenüber einer anderen Art oder Form, oder gar gegenüber dem Fehlen jeglicher Art oder Form von Ethik.

Während es keine philosophische oder biologische Grundlage geben mag, kann es einen zweckmäßigen Grund geben, ein komplexes und sanftmütiges Moralsystem gegenüber einem einfachen und brutalen zu bevorzugen: dass wir eine friedliche Gesellschaft einer gewalttätigen vorziehen.

Die erste Schlussfolgerung, dass es per se keine logischen moralischen Werte gibt, hängt eng zusammen mit der Erkenntnis, dass, wie lange wir die Zeitspanne eines Menschenlebens auch ausdehnen können, das Leben von jedem von uns definitiv mit dem Tod enden wird. Keine Wiedergeburt, kein Leben nach dem Tod. Und unabhängig davon, wie lange wir leben, gemessen an der Unendlichkeit der Zeit existiert jeder von uns bloß inen unendlich kurzen Moment. Aber wenn wir tot sind, sind wir für immer vergangen.

Es tut nichts zur Sache, ob wir "gut" oder "schlecht" waren. Wenn wir tot sind, wird es keine Belohnung und keine Strafe geben.

Aber solange wir die Oberfläche dieses Planeten bevölkern, ist es sinnvoll, Ärger zu vermeiden. Es ist nur natürlich, dass wir nicht die Opfer von Gewalt werden wollen, und dass wir nicht die Opfer der sogenannten Justiz werden wollen, eingekerkert sein wollen von Obrigkeiten, oder ermordet von Institutionen von Staaten, die Wahrheit erkennen in moralischen Werten, welche wie wir wissen frei erfunden sind.

Nun, da moralische Werte Fantasien sind, was ist real?

Den Kern unseres Daseins bilden biologische Parameter, keine ethischen. Unser Interesse an Obdach und Nahrung, unser unlogisches Verlangen zu Leben und nicht zu sterben, unsere Furcht vor Schmerz und Leid. Und vorallem: unser schlichter Sexualtrieb.

Wie oben erwähnt, in einem sozialen Zusammenhang sind die moralischen Werte bestimmter Gesellschaften immer eine Repräsentation der Produktionsweisen der jeweiligen Gesellschaft.

Auf einer persönlichen Ebene sind die moralischen Werte eines jeden Individuums, welches sich zu diesen bekennt, mehr als alles andere eine Repräsentation der biologischen Interessen dieser Person, speziell der sexuellen Interessen.

Deshalb pflichten Männer, die Probleme im Wettstreit um sexuellen Erfolg in pluralistischen Marktwirtschaften haben, typischerweise der Moralvorstellung bei, die jedem Mann genau eine Frau zugesteht. Diese Moralvorstellung, denken sie, wird ihnen einen gerechten Anteil von je einer Frau garantieren (weil Partnerwechsel eingeschränkt sind).

Biologisch gesehen sind sexuelle Interessen auch die emotionale Kraft, die dafür sorgt, dass ältere und weniger attraktive Frauen in pluralistischen Marktwirtschaften immer dazu neigen, strengere moralische Regeln hochzuhalten, als jüngere und hübschere Frauen. Je strenger die moralischen Regeln, desto einfacher ist es für ältere und weniger attractive Frauen, die Konkurrenz mit den jüngeren und hübscheren abzuwenden.

Es gibt noch viele andere Aspekte, wie die Produktionsweisen die moralischen Werte der Leute bestimmen, denen sie sich anschließen (wenn sie sich überhaupt irgendwelchen anschließen), wie etwa die Möglichkeit, sexuell übertragbare Krankheiten zu kontrollieren.

Und es gibt eine fortschreitende Perfektionierung in der menschlichen Produktionsweise, welche eine bedeutende Wirkung auf sexuelle Moral haben wird, wie z.B. unsere sich abzeichnende Fähigkeit, mittels kosmetischer Chirurgie ein lebenslang jugendliches Erscheinungsbild zu erzeugen.

Solche Produktionsweisen, oder Technologien werden es jenen Individuen, welche wirtschaftlich erfolgreich sind (und die die intellektuelle Leistungsfähigkeit besitzen, ebendies zu sein) ermöglichen, auch körperlich höchst attraktiv zu bleiben, egal welchen Alters sie sind.

Gebildete Frauen, die 50 Jahre alt sind, aber aussehen als ob sie 25 wären, und daher den höchsten sexuellen Marktwert aufrechterhalten, müssen sich nicht in feministische Moralvorstellungen flüchten, die sexistische Haltungen in unserer Gesellschaft beklagen. Stattdessen werden sie von dieser sexistischen Gesinnung profitieren.


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